Im letzten Beitrag haben wir über die klassische Terrasse und ihre Einzugsgeschichte in unsere Gärten gesprochen, und warum sie mich nicht immer überzeugt. In diesem Post folgt nun die Liste mit Alternativen und Ergänzungen zum entspannten Aufenthalt (liegen, sitzen, essen, schnacken, dösen) in deinem Garten.

Schau sie dir an und überlege dir, was du am liebsten in deinem Garten tun würdest, wenn du Pause machst. 

Vielleicht brauchst du die Outdoor-Loungemöbel für sechs Personen oder den Esstisch mit Stühlen und Bänken maximal drei Mal im Jahr, wenn die Freunde zum Grillen kommen. Dann helfen dir ein oder zwei Biertisch-Garnituren, die du auf den Rasen (falls es ihn gibt) stellen kannst und den Rest des Jahres im Keller verstaust. 

Egal was dein Favorit ist, auf jeden Fall empfehle ich mehr als eine Aufenthaltsmöglichkeit, und zwar möglichst mit verschiedenen Ausblicken und verschiedenen Qualitäten. Eine Terrasse in Südausrichtung mit voller Sonne ist an kühleren Tagen im Frühling, Herbst oder den Abendstunden wunderbar, aber ein schattiges Fleckchen in der Juli-drei-Uhr-Nachmittagshitze ist ein körperliches Vergnügen. Manchmal möchtest du vielleicht entspannt ein Nickerchen machen, und manchmal braucht deine Tochter zeitgleich einen Platz für ihre Hausaufgaben. 

Und wenn du nicht immer den gleichen Ausschnitt deines Gartens vom gleichen Platz aus betrachtest, wird er sofort viel größer und interessanter. 

Verschiedene Aufenthaltsmöglichkeiten lassen sich auch mit winzigen Budget in kleinen Gärten realisieren. Zum Beispiel wie im Garten von J. und L.

Los geht’s:

5 Alternativen zur klassischen Terrasse

1.Hängematte

Der Klassiker. Wer träumt nicht von einer Hängematte zwischen zwei Bäumen, um darin den Nachmittag zu verbummeln? Genauso gut dienen sie aber auch als Spielgerät für die Kleinen. Wenn ich zwischen Schaukel und Hängematte wählen kann, nehme ich die Hängematte.

Eine Frau liegt in einer Stoffhängematte. Sie trägt Hemd, Hose und Sneaker und hat die Hände hinter dem Kopf verschränkt
Ein Leben ohne Hängematte ist möglich, aber sinnlos.

Zwei Bäume sind nicht zwingend erforderlich. (Wenn du Bäume pflanzt, denk daran, dass sie einige Jahre brauchen werden, bis sie groß und verwurzelt genug sind, um eine Hängematte zu tragen.)

Mit den Gestellen, die sich überall kaufen lassen, habe ich gemischte Erfahrungen gemacht. Mal abgesehen von der Optik – bestimmt gibt es auch hübsche – sind diese Dinger oft nicht so stabil, wie ich mir wünschen würde. Sich mit Schmackes reinwerfen hat jedenfalls schon häufiger dazu geführt, dass ich samt Hängematte und Gestell schwungvoll durch den Garten gepurzelt bin. Die gute Nachricht: Hängematten können auch an fest eingebauten Pfosten, Pergolen oder Mauern befestigt werden. Zum Beispiel würde ich einen Pfosten neben eurem frisch gepflanzten Baum einbetonieren. Daran könnt ihr erstmal den Baum und die Matte befestigen und später, wenn der Baum groß genug ist, den Pfosten unter der Grasnarbe absägen.

Stell sie an einer Stelle auf, an der du einen interessanten Blick in den Himmel hast. 

Bedenke auch deine anderen Sinne (dass gilt im Garten immer). Ich pflanze gern Duftrosen, Lavendel und ähnliches in der Nähe. 

Zu Letzt: Hängematten aus durchgehendem Stoff sind deutlich bequemer als solche aus Netz.

2. Outdoor Sitzsack

Die Hängematte des 21. Jahrhunderts. Für einen Sitzsack brauchst du keinerlei vorbereitete Fläche oder andere Einbauten. Der Boden muss nicht mal waagerecht sein. Du kannst den Sitzsack alle zwei Stunden an eine andere Stelle ziehen und in ungezählten Positionen darauf herumlümmeln. 

Sitzsäcke im Garten, gruppiert um eine Shisha, in einer informellen Alternative zur Terrasse
mehrere Sitzsäcke schaffen Platz für mehr Leute

Würdevolles Sitzen ist allerdings in keiner Variante möglich. Es sei denn, du hast Yoga-Erfahrung.

Wenn dir die Hängematte zuviel Logistik braucht, ist der Sitzsack deine Lösung. 

Kinder können ihn als Fallmatte benutzen, zum Klettern, herumwerfen und als Deckung bei Wasserschlachten.

Natürlich kannst du auch einfach Kissen und Decken auf der Wiese verteilen. Für kurze, besondere Momente ist das super. Aber als Dauereinrichtung taugen sie in Mitteleuropa kaum. Dafür regnet es hier zu häufig. Du willst nicht warten, bis deine Kissen wieder trocken sind. Und ganz sicher willst du nicht, dass sie nach einer Saison verschimmelt sind. Also musst du bei jedem Tropfen von oben deine Oase zusammenpacken. Entspannt ist anders.

Auch Outdoor-Sitzsäcke freuen sich über ein bisschen Achtsamkeit und Pflege, sind aber deutlich härter im Nehmen als unsere Freunde aus der Boho-Abteilung.

3. Bistrotisch 

Für ein bisschen Stille in einer schattigen Ecke, um zu lesen und den Vögel zu lauschen, um mit der besten Freundin zu tratschen oder den Morgenkaffee in den Händen zu halten, während die Sonne den Tau von den Pflanzen trocknet – dafür brauchst du keinen großen Tisch und kein breites Sofa. Ein kleiner Tisch auf einer gekiesten Fläche, dazu zwei Metallstühle, ein bisschen, aber nicht völlig versteckt zwischen Pflanzen, die sich fast ein bisschen zu nah an dich heranschieben. Perfekt.

Bistrotische mit Stühlen zwischen großen Topfpflanzen formen eine einladende Alternative zur Terrasse
Bistro-Tische

4. Neugierde

Eine Neugierde ist ein Pavillon, der direkt an der Grenze des Gartens zur Straße platziert ist. Gerne so erhöht, dass man von dort auf die Straße hinausblicken kann, ohne selbst gesehen werden zu können. Ja, die Neugierde kommt aus dem großbürgerlichen Villengarten, wie kommst du darauf?

Die Attraktivität der Neugierde ist selbsterklärend. Von dort aus kannst du geschützt das Leben außerhalb beobachten. Ob nun deine Wohnstraße, der Mistweg zwischen zwei Reihenhausstreifen oder der Waldrand einen lohnenden Ausblick bietet, kannst du selbst entscheiden. Aber mit einer Neugierde verknüpfst du deinen kleinen Garten mit einem größeren Raum.

Eine schmiedeeiserner Pavillon auf dem Dach einer mit Kletterpflanzen bewachsenen Garaage
Vermutlich nicht als klassische „Neugier“ gedacht, erfüllt dieser Pavillon trotzdem alle Anforderungen.

Die Neugierde muss auch kein Pavillon sein. Eine Bank oder ein paar Stühle, vielleicht nur eine Lücke in der Hecke an der richtigen Stelle, kann schon völlig reichen. Vielleicht ist das auch gar nicht die Stelle, von der aus du auf deine Mitbürgerin hinabblickst, sondern der Platz für den Plausch über den Gartenzaun. 

(Für den Plausch über den Gartenzaun eignen sich solche Zäune am besten, die stabil und bequem genug sind, sich daran anzulehnen oder abzustützen. An Hüfthohen Mauern oder Holzlattenzäunen kann man ganze Abende verplaudern.)

5. Mäuerchen

Einer der besten Plätze im Garten meiner Eltern ist die Mauer zwischen Terrasse und Rasen. Ihre Terrasse liegt ein bisschen höher als das restliche Grundstück. Zwischen der befestigten Terrasse und der Rasenfläche gibt ein breites Beet, dass etwas schräg liegt, der letzte halbe Meter Höherunterschied wird durch ein Mäuerchen abgestützt. 

Dort lässt es sich am Ende des Tages herrlich mit einer Flasche in der Hand sitzen, und über den Garten blicken. 

Informelle Orte zum Aufenthalt können fast überall entstehen. Eine Mauer, ein alter Klappstuhl, eine Kiste für das Gartengerät. 

Um sie zu einem angenehmen Ort zum Sitzen und Pause machen, müssen sie ein paar wenige Kriterien erfüllen: 

  • Ein Gefühl von Sicherheit. Das erreichst du durch Schutz mindestens im Rücken. Im Garten meiner Eltern ist das aufsteigende Beet dieser Schutz. 
  • Eine angenehme Sitzhöhe: Der Durchschnittswert liegt aktuell bei 45-50cm Sitzhöhe, aber denke daran, dass es dein Garten ist und nicht jeder Mensch gleich ist. Pass die Höhe an die Größen deiner Lieben und dir an.
  • Freier Blick. Geschützt von hinten, weiter Blick nach vorne. Was den Säbelzahntiger-fürchtenden Höhlenmenschen glücklich machte, gefällt auch dir.

Diese Liste an Alternativen und Ergänzungen zur Terrassen ist nicht erschöpfend und soll es auch gar nicht sein. Sie soll nur dabei helfen zu zeigen, dass in einem Garten vieles möglich ist, wenn du dich vom Standard löst. 

Du kannst ein großes Außen-Esszimmer oder eine Lounge anlegen. Musst du aber nicht. Du kannst auch viele kleine Ecken haben. Du kannst eine größere Hauptfläche und ein kleines Versteck haben. Für dich, für deine Kinder, für euch zusammen. Du kannst deinen Garten als Geflecht aus verschiedenen Orten verstehen, die verschiedene – oder besser mehrere – Funktionen übernehmen (Funktionen wie : Rückzug / Bühne / Viele / Wenige / Licht / Schatten / Ausblick / Einblick). Sie sind miteinander, dem Haus und dem Außen durch Sicht und Wegebeziehungen verbunden, und lassen dich so diese Orte neu erleben. 

Abwechslung macht deinen kleinen Garten größer.

Noch eine persönliche Anmerkung:

Was ist keine Alternative zur klassischen Terrasse?

Palettenmöbel sind keine Alternative zur klassischen Terrasse. Palettenmöbel sind das Arschgeweih der aktuellen Gartengestaltung.

Was als coole Upcycling-Idee anfing, wurde derart zu Tode gehyped, dass Europaletten – früher ein Material, dass sich mit ein paar Verbindungen oder krimineller Energie (tut das nicht – Paletten kosten Geld und werden wiederverwendet. Auch wenn sie scheinbar herrenlos auf einer Baustelle rumliegen) sehr gut kostengünstig beschaffen ließ – heute nicht nur deutlich im Preis gestiegen sind, sondern auch extra zur Verwurstung als Selberbau-Palettenmöbel hergestellt werden. So wird aus einer ursprünglich alternativen Kreativ-Leistung ein marketingkompatibles Status-Symbol.

Upcycling lässt sich mit etwas eigener Kreativ viel schöner und individueller gestalten.

Frag mich. Wir finden schon ein Lösung.

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